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Freitag, 3. April 2020

Interview mit Linda Budinger

Ihr Lieben, 

ich rief, als die Buchmesse abgesagt wurde, zu Interviews auf und ich zeigte euch schon das ein oder andere, heute ist es wieder so weit und ich hab eine Autorin für euch. Die einen besonderen Weg im Buchwesen gegangen ist. 



Es geht um Linda Budinger
Übrigens die Fotos gehören alle Linda ich darf sie nur nutzen um euch diese tolle Autorin als Menschen näher zu bringen. 

Nicole: Hi Linda, vielen Dank, dass du dir Zeit für mich nimmst. Zuerst
einmal die obligatorische Frage, die an jeden Autor geht: Würdest du lieber
Elefant oder Giraffe sein, und warum genau dieses Tier?
Linda:
Dann wäre ich gerne eine Giraffe mit dem Verstand eines Elefanten...
Giraffen sind groß und haben einen guten Überblick - Elefanten besitzen
ein gutes Gedächtnis, Intelligenz und Sozialverhalten.

Nicole: Du hast ja jetzt auch schon einige Bücher geschrieben, welches Buch
hat dich selbst so tief geprägt, dass es dich vielleicht auch verändert hat?
Linda: Das ist einer meiner bisher unveröffentlichten Romane:
»Schicksalstanz«, eine epische Asia-Fantasy, die sich um die Abenteuer
einer Kriegerin in der Menschen- und Geisterwelt dreht. Der Roman
begleitet mich schon lange, und ich fühle mich der Geschichte persönlich
verbunden.
»Die Nebelburg« soll auch nicht unerwähnt bleiben, weil das mein erster
veröffentlichter Roman aus der frühen Schaffensperiode ist.
   Abgesehen davon hat mich jedes Buch ein bisschen verändert, besser
gesagt, bereichert. Künstlerisch lernt man immer dazu, und die jeweilige
Recherche eröffnet auch neue Perspektiven. Das finde ich einen sehr
spannenden Teil des Berufs.

Nicole: Um was geht es in deinen Büchern, was möchtest du gerne vermitteln?
Linda: Ich bin Geschichtenerzähler, kein Pädagoge. Allerdings schreibe
ich oft und gerne Entwicklungsgeschichten, und auch bei meinen Thrillern
gibt es immer eine kleine Figurenentwicklung. Ein wiederkehrendes Thema
besteht in der Ermunterung, trotz Widrigkeiten im Leben den eigenen Weg
zu gehen, als Persönlichkeit zu wachsen, Anerkennung und Liebe zu
finden, nicht trotz Eigenarten und Fehlern, sondern vielleicht gerade
deswegen.

Nicole: Wenn du jetzt die Chance hättest, dich mit einem deiner Charakter
persönlich zu treffen, welcher wäre das und was würdest du gerne mit ihm
erleben?
Linda: Beim Schreiben treffe ich doch die Figuren praktisch die ganze Zeit und
erlebe allerhand mit ihnen. Die Vorstellung dieser Abenteuer genügt mir,
schließlich muss man nicht alles am eigenen Leib erfahren.

Nicole: Wie sieht so dein Schreiballtag aus? Wie geht deine Familie oder
deine Freunde damit um, und was bedeutet es für dich, eine Schriftstellerin
zu sein?
Linda: Schriftstellerei war mein Traumberuf, doch mitunter steckt dahinter
richtige Plackerei, was man nicht unbedingt merkt, da oft nur das
Ergebnis nach außen dringt. Die meisten aus meinem Umfeld kennen mich
nur schreibend. Ich freue mich über Interesse und Rückfragen, aber ich
nötige niemandem meine Werke auf. Grundsätzlich vermeide ich es, über
ungelegte Eier zu sprechen, erzählt man vorab zu viel, ist doch
irgendwie die Luft beim Aufschreiben raus. Meine schreibenden Bekannten
wissen schon, dass ich lieber nichts davon hören möchte, was sie
schreiben wollen, sondern mir lieber anhand des Textes ein Bild davon
mache, was sie geschrieben haben. Es gibt bei meiner Arbeitsweise wenig Spektakuläres, weil ich der Typ zugeknöpfter Autor bin (was man diesem Interview, so hoffe ich, nicht
allzu sehr anmerkt). Deswegen muss der Beruf Dritten wie die langweiligste Sache der Welt erscheinen. Ich pflege keine großartigen Inspirationsrituale, sondern schöpfe Ideen aus mir selbst und meiner Sicht auf die Dinge. Weil ich vielseitig interessiert bin, stoße ich auf
das eine oder andere reizvolle Thema, das dann einen Platz im Hinterstübchen bekommt oder im Ideenbuch landet. Manchmal verfasse ich daraus Exposés für meine Agentur, aber ich bin immer am kreativsten bei konkretem Interesse oder gar dem Auftrag eines Verlags. Meine Muse ist
eine echte Dramaqueen. Ein- bis zweiseitige Exposés sind großschrittige Zusammenfassungen,
die maximal mein Partner, meine Agentur sowie der Verantwortliche im Verlag zu sehen bekommen. Aber manchmal geht es auch kürzer. Den Thriller »Der siebte Schrei« habe ich nach Anfrage des Verlags quasi mit einem Pitch und einem Absatz zum Inhalt verkauft.
Ich pausiere mit dem Schreiben idealerweise, bis sich ein bestimmter Druck aufgebaut hat, eine innere Blase voll Worten, Ideen,
Formulierungen, die nur darauf wartet, dass ich mit dem Schreiben des
ersten Satzes einen winzigen Kanal schaffe, aus dem dann der Text herauskommt.
Wenn ich an einem Roman arbeite, reserviere ich mir dafür feste
Stunden, und zwar gleich nach dem Frühstück, dann können sich die
Gedanken über Nacht schon etwas ordnen. Doch vor dem Schreiben (gerade
bei Projekten, die in der Realität spielen), liegen schon Wochen, und
manchmal Monate, der Recherche.

Zum Schreiben höre ich gerne symphonische Filmmusik - oder andere
instrumentale Stücke ohne störendes Blabla. Deswegen arbeite ich auch
nur Zuhause am Schreibtisch. Ich brauche eine ruhige / ungestörte
Umgebung, um mich ganz in den Text fallen zu lassen. Die erste Fassung überarbeite ich bereits mehrfach bei der Entstehung am Bildschirm, nachher kommen noch zwei, drei Arbeitsschritte auf
Papier. Dann geht die Betafassung an handverlesene Veteranen raus. Danach folgen weitere zwei oder drei Durchgänge der Manuskriptseiten.
Schließlich geht alles zum Lektorat, dort wird noch einmal gefeilt, zum Schluss gehe ich den lektorierten Text ein/zweimal durch, und ehe ich endgültig abgebe, drucke ich alles in buchähnlichem Layout aus - das schafft auch nochmal einen frischen Blick für Fehler. Zu diesem Zeitpunkt habe ich den Text selbst so oft gelesen, dass ich erst Monate später im fertigen Buch herumzuschmökern oder die Audiofassungen anhören mag.

Nicole: Ich kann mir vorstellen, dass man hin und wieder auch vom Schreiben
entspannen muss, wie machst du das und fällt es dir leicht, auch die
Charaktere mal sein zu lassen und komplett abzuschalten, oder geht das erst,
wenn ein weiteres Buch zu Ende ist?

Linda: Ein bisschen hänge ich immer in der aktuellen Geschichte drin. 
Da ich nicht penibel plane, gibt es im Schreibprozess kleinere oder größere
Probleme zu überwinden - was mir im Flow einfach besser gelingt als in
der Exposé-Planungsphase. Und es ist ein unverzichtbarer Teil des
Ablaufs, dass ich die plotrelevanten Schwierigkeiten allein auf Basis
der Geschichte löse. Schließlich kenne ich die Figuren und Ereignisse
in- und auswendig, nur so fügen sich die Lösungen in jeder Hinsicht
nahtlos in den bestehenden und noch entstehenden Text. Hilfreiche oder
kreative Ideen poppen bei Bedarf im Alltag auf, beim Sport, Einschlafen,
beim Einkaufen, Malen, eigentlich immer, wenn das Gehirn Leerlauf hat.
Das bringt mehr als gemeinsam etwas in Gruppenarbeit durchzukauen, oder
nägelkauendes Grübeln, weil die Einfälle ›reifen‹ können, ehe sie ins
Bewusstsein dringen. Darum ist auch Entspannung ein unverzichtbarer Teil
meiner Kreativität.
Ich finde sie beim Lesen oder Fantasy-Rollenspiel, kreativen Hobbys mit
Stempeln, Pinsel und Farben und dem Ausprobieren neuer Techniken beim
Art Journaling, einer Art graphischem Künstlertagebuch,.
   Vom Romanschreiben gewinne ich mit dem Verfassen von Kurzgeschichten
Abstand - am besten in unterschiedlichen Genres, um Abwechslung
reinzubringen. Immer denselben Trott finde ich langweilig, obwohl eine
gewisse Routine auch Vorteile mit sich bringt. Für mich bringt die
Kombination aus vertrauter Umgebung, Stille und Herausforderung durch
neue Projekte, Herangehensweisen und Genres, die besten Ergebnisse hervor.





Nicole: Hast du auch einen tierischen Gefährten, der dich begleiten darf?
Linda: Nein, aber aus eher praktischen Gründen. Ich mag zum Beispiel
Hunde sehr gern und war in meiner Jugend ein richtiges Pferdemädchen.
Allerdings gibt es da Lucy, eine Malteser/Zwergpudeldame, die
regelmäßig mit ihrer Familie zu Besuch kommt. Sie hat es auch schon in
»Gegen die Gezeiten« geschafft, als erster Vierbeiner, der in meinen
Danksagungen einen Platz fand.


Nicole: Welche Frage wurde dir noch nie gestellt, obwohl du sie gerne
mal gehört hättest, und wie würdest du diese beantworten?
Linda: Wie sah es in den Achtzigerjahren mit dem Schreiben aus?
Meine ersten Manuskripte entstanden mit Füller, irgendwann hatte ich
eine Schreibmaschine (zuerst eine mechanische) um die Geschichten und
Romananfänge abzutippen. Jedes Überarbeiten bedeutete, den Text (oder
wenigstens die entsprechende Seite) noch einmal komplett abzutippen -
und am besten, ohne neue Fehler einzubauen, denn die ließen sich nicht
einfach per Tastendruck ausradieren. Bei kleinen Änderungen habe ich
manchmal nur den entsprechenden Abschnitt überarbeitet, die Seite
zerschnitten und auf einem anderen Blatt mit dem neu getippten Teil
wieder zusammengesetzt. Und dann besaß man ein Exemplar, oder maximal
noch einen Durchschlag des Textes.
   Als ich angefangen habe, die ersten Verlage anzuschreiben, war ich
daher immer auf der Suche nach einer günstigen Gelegenheit für
Fotokopien. Als Schülerin ging das ganz schön ins Taschengeld. Eine
Fotokopie kostete pro Seite ungefähr zehn Pfennig, und ich musste für
diese (schon recht günstige) Möglichkeit mit dem Bus in die Nachbarstadt
fahren. Auf Novellen- oder Romanlänge umgerechnet, kommt bei 5 Cent pro
Seite schon einiges zusammen, dazu natürlich noch Porto, große Umschläge
usw.
   Die nächste Schwierigkeit bestand im »Wohin schicken«? Die
Phantastikszene war nicht im Mindesten so umfangreich wie heute. Leser
bekamen hauptsächlich deutsche Übersetzungen internationaler Autoren
präsentiert, kaum Eigengewächse. Literarische Agenturen gab es weniger
als eine Handvoll auf dem Markt, und die befanden sich am anderen Ende
der Republik!
   Und da es kein Internet gab und keine kommentierten Handbücher für
Autoren und Ähnliches, musste man als Jungautor in Buchhandlungen mühsam
Verlagsadressen herausfinden. Es existierten dafür entsprechende,
großformatige Nachschlagewerke, dicker als Telefonbücher - nach denen
man aber auch erstmal im Laden fragen musste ... peinlich, peinlich.
   Bewerbungen bei Verlagen, die das Genre verlegten, waren Schüsse ins
Blaue, ohne genau zu wissen, ob sie überhaupt gerade Manuskripte
suchten. Es fehlte die Möglichkeit, die Lektoren
persönlich anzuschreiben, oder mal schnell eine E-Mail zu senden, um
Infos einzuholen. Ich glaube, in diesen frühen Jahren habe ich in der
Tagezeitung insgesamt von einer oder zwei Wettbewerben erfahren - an
denen ich dann (leider erfolglos) auch teilgenommen habe.
Aktiv um Autoren geworben haben damals nur die
Druckkostenzuschussverlage, die aber bloß Menschen gesucht haben, die
bereit waren, mehrere Tausende Mark in Bücher zu investieren, die sie
dann selbst verkaufen mussten.
   Von einer vernetzten Genre-Autorenszene wie heute, konnte man nur
träumen, doch für ein wenig kreative Erleichterung sorgten in den
Neunzigern immerhin die Fanzines. So hießen  handgemachte kleine
Zeitschriften (etwa zu Fantasy-Rollenspiel, Musik, Kurzgeschichten) in
Minimalauflage zum Selbstkostenpreis. Ich habe persönlich an einigen
dieser Hefte mitgearbeitet - und auch selbst welche herausgegeben. Damit
fand ich Eintritt in eine Szene Gleichgesinnter, die meisten dieser
Leser waren selbst Autoren oder Zeichner und es gab Textkritik und
Bestärkung. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich allerdings schon einen
Computer und bald auch einen Drucker - und das brachte einfach einen
Quantensprung an Qualität!
   Es war (und ist immer noch) traumhaft, jeden Text beliebig oft am
Bildschirm zu bearbeiten und so oft wie möglich (oder jedenfalls solange
die teure Patrone reichte) ausdrucken zu können. Das half mir ungemein,
den eigenen Stil zu verbessern - und schließlich auch in die Verlagswelt
vorzustoßen, die dank des Internets und damit wachsender Kontakte ein
wenig zugänglicher wurde.
   Das wird für das Gros heutiger Autoren wie Geschichten aus der
Steinzeit klingen, und es war tatsächlich eine andere Epoche. Man muss
bedenken, es gab zwar sehr wenig Möglichkeiten, als komplett
Außenstehender in einen Verlag reinzukommen aber dafür war Lesen zu der
Zeit eine wesentlich verbreitetere Freizeitgestaltung. Zuhause
existierten weniger Unterhaltungsmöglichkeiten als heute und somit
konzentrierten sich mehr Leser auf weniger Autoren.
   Sowohl dank der technischen wie auch der sozialen Bedingungen ist es
heutzutage einfacher:  überhaupt zu schreiben, sich weiterzuentwickeln,
durch stärkere Vernetzung der Autorenszene vorwärtszukommen und
veröffentlicht zu werden, weil es mehr Publikationsmöglichkeiten und
Agenturen für jede Autorenpersönlichkeit gibt.
Nie war es so bequem wie heute, Leser und Entdeckungsreisende in eigene
Welten einzuladen!

Nicole: Ich danke dir für deine Zeit

Ich hoffe ihr konntet einen guten und langen Einblick zu Linda gewinnen und merkt, jeder Autor ist besonders. 

Wollt ihr selbst auch interviewt werden? Dann meldet euch gerne.



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