Freitag, 27. Mai 2016

Interview mit Julian von Nürnberg Umsonst

Meine Lieben,
heute möchte ich euch eine Besonderheit aus Nürnberg vorstellen.
Aufmerksam wurde ich dank der Zeitung in Nürnberg, auf diesen Charismatischen jungen Menschen, der ein Herz für Geschichte hat, und Sonntags (Nicht jeden Sonntag), immer wieder Menschengruppen durch Nürnberg führt und dabei Geschichten erzählt, die man nicht auf der Herkömmlichen Route lesen und sehen kann, bzw noch hören.
Ich habe ihn ein Interview aus den Rippen geleiert, und vielleicht habt ihr darauf auch einmal Lust bekommen, bei einer Führung von Julian dabei zu sein. Ich kann es euch nur empfehlen.

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Nicole: Danke Julian, dass du dir Zeit für mich nimmst. Zu erst wüsste ich gerne, was glaubst du, könnte man aus der Geschichte lernen?

Julian: Hallo Nicole, gerne doch und: das ist eine sehr komplexe Frage, deren Beantwortung sicherlich ganze Bücher füllen könnte. Deswegen halte ich mich kurz: Ich denke der wichtigste Punkt, den uns die Geschichte lehrt ist, dass sie sich oftmals wiederholt. Deswegen gilt es stets wachsam zu sein und - wenn möglich - die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Nicole: Du bist ja selbst mit der Geschichte vertraut, zumindest aus der von Nürnberg, doch wie kam es denn dazu?
Julian: Das stimmt, die Geschichte Nürnbergs hat mich schon sehr früh interessiert. So habe ich - ich glaube im Alter von 7 oder 8 Jahren - meine ersten Nürnberg-Bücher der Autorin Ulrike Fritz von meinen Eltern geschenkt bekommen. Die Titel hießen "Kinder entdecken Nürnberg" und "Um Nürnberg rum".  In den Jahren danach kamen dann diverse Bücher über Sagen und Legenden, historische Bildaufnahmen vor, nach und während des Krieges, Denkmalschutzlisten sowie die Berichte der Nürnberger Altstadtfreunde, bei denen ich seit 2011 Mitglied bin, hinzu. Zudem hat mein Bruder zwei wirklich lesenswerte Arbeiten über Nürnberg im Rahmen seiner Bachelor- und Masterarbeit zum Bauingenieur geschrieben, welche mir interessante Einblicke in die Baugeschichte der Stadt verschafft haben. Darüber hinaus pflege ich natürlich auch den Austausch mit Menschen, die in verschiedenen Bereichen über ein hohes Wissen verfügen, sei es zum Thema Kirchengeschichte, Denkmalschutz oder Rekonstruktion. Das Wissen über Nürnberg habe ich mir aus diesen diversen Quellen dann quasi autodidaktisch angeeignet.

Nicole: Was für dich ist die schönste Nürnberger Geschichte?


Julian: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil im Laufe der Nürnberger Stadtgeschichte so vieles passiert ist, dass es sicherlich einige interessante Geschichten gibt, die lohnenswert sind, erzählt zu werden. Gut gefallen tuen mir jedoch die Geschichte des Dudelsackpfeifers, der durch seinen Dudelsack davor bewahrt wurde lebendig begraben zu werden, die Geschichte des Gänsemännleins, der durch seine Gänse seine Alkoholsucht besiegte sowie eine Geschichte über Dürer und Kaiser Maximilian, der zu seinen Edelmännern sagte, welche Dürer nicht die Leiter halten wollten, dass er aus Dürer sicher einen Edelmann machen könne, aus ihnen allen jedoch keinen Dürer. Es gibt jedoch auch viele andere schöne Geschichten, Sagen und Legenden von denen ich bei meinen Touren erzähle.

Nicole. Was wünscht du dir für deine kommenden Touren?

Julian: Dass ich es weiterhin schaffe Einheimische, Zugereiste und Touristen von der Nürnberger Altstadt begeistern zu können und vor allem: Gutes Wetter und zufriedene Zuhörerinnen und Zuhörer!


Nicole: Du führst ja durch Nürnberg, vor allem durch die Innenstadt, warum aber ausgerechnet Nürnberg und nicht Erlangen oder Fürth?

Julian: Das liegt einfach darin begründet, dass ich zum einen Nürnberger bin und zum anderen mich bisher schwerpunktmäßig auch nur mit der Geschichte Nürnbergs beschäftigt habe. Aber vielleicht kommt ja irgendwann einmal auch Fürth oder Erlangen hinzu? Ich bin mir sicher, dass es auch in diesen Städten einiges interessantes zu erfahren gibt.

Nicole: Was war für dich das größte Ereignis bei einer Tour, die du geführt hast?

Julian: Da gab es bereits mehrere. Beispielsweise kam einmal nach einer meiner Touren ein etwas älterer Herr freudestrahlend zu mir und erzählte mir, dass er in dem Viertel durch welches wir an diesem Tag gegangen sind aufgewachsen sei und er durch meine Geschichten nochmals seine ganze Jugend durchlebt hat. Das war ein wirklich schönes Feedback, über welches ich mich riesig gefreut habe. Toll waren jedoch auch die Begegnungen mit Au-Pairs, Austauschschülern/-studenten und jugendlichen Flüchtlingen aus der ganzen Welt, für welche ich ja bereits mehrere Touren angeboten habe und denen vor allem die Sagen über Eppelein von Gailingen große Freude bereitet haben. Und nicht zu vergessen, die Tour mit SamSon, dem digitalen Magazin der NN und NZ, welche einen wirklich schönen Bericht über meine Touren und mich veröffentlicht haben.

Nicole: Wie bist du auf die Idee gekommen Nürnberg Umsonst anzubieten?

Julian: Die Idee reifte schon lange, konkretisierte sich jedoch vor allem während meines Beschäftigungverhältnis bei einem Unternehmen, welches eine Niederlassung nahe der Altstadt betreibt. Meine Pausen habe ich dann fast ausschließlich in der Altstadt verbracht und habe eigentlich dort erst gesehen, wie viele Touristen täglich Nürnberg besuchen, jedoch vorwiegend die Hauptsehenswürdigkeiten. Ich wollte mit "Nünberg Umsonst" einfach eine Tourenreihe etablieren, die sich mit all den interessanten Straßen, Plätzen, Gebäuden, Geschichten, Sagen und Legenden auseinander setzt, welchen meiner Meinung nach zu wenig Beachtung geschenkt wird - auch von den Nürnbergern selbst. Nach mehreren Monaten Vorbereitung habe ich dann einfach den Schritt gewagt und bin damit an die Öffentlichkeit gegangen. Mit der darauf folgenden unheimlich positiven Resonanz und den mittlerweile oftmals ausgebuchten Touren habe ich jedoch beim besten Willen nicht gerechnet.

Nicole: Wenn du jetzt auf die nächsten 5 Jahre die kommen blickst, was wünscht du dir und wie soll es für dich weiter gehen?

Julian: Ich wünsche mir, dass sich all die Dinge so positiv weiterentwickeln, wie sie es bisher getan haben, sei es im privaten Bereich, in meiner hauptberuflichen Arbeit, als auch im Rahmen meiner Tätigkeit für "Nürnberg Umsonst".

Nicole. Wie viele Menschen dürfen denn bei dir an einer Tour teilnehmen?

Julian: Generell nehme ich 30 bis 40 Teilnehmer pro Tour mit. Jedoch gibt es oft einen so großen Andrang auf manche Touren, dass ich auch mal ein Auge zudrücke und mehr Menschen mitnehme. Wichtig ist mir jedoch, dass mich alle akustisch verstehen und ich noch einen Überblick über die Gruppe habe. Zudem gibt es ja auch die Möglichkeit mich mit einer kleinen Gruppe privat zu buchen.

Nicole: Was musst du pro Tour ausgeben, damit das eine richtig tolle Tour wird?

Julian: Das ist schwierig zu sagen, wenn Du jedoch meinst was ich grundsätzlich investieren muss, dann sind das sicherlich bis zu 60 Stunden an Routenplanung, Themenauswahl, Fotoauswahl, Recherchearbeiten, dem Zusammenschreiben von Informationen sowie dem entsprechenden Verinnerlichen pro neu konzipierter Tour. Zudem kommen noch die Kosten für Webauftritt und entsprechende Fachliteratur. Ob die Tour dann auch "richtig toll geworden ist", merke ich jedoch erst an der Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Tour.

Nicole. Wenn du dich jetzt auf eine Zeit, wo du leben möchtest, festlegen müsstest, welche Zeit wäre das und warum ausgerechnet diese Zeit?

Julian: Ich bin an sich recht zufrieden mit der Zeit in der ich gerade lebe, daher mache ich mir darüber keine Gedanken.

Nicole: Welches Gebäude in Nürnberg magst du am meisten?

Julian: Hier habe ich mehrere Favoriten, so finde ich den Hof des Pellerhauses, das Fembohaus sowie die Architektur des Wolff'schen Rathausbaus sehr interessant. Am liebsten halte ich mich jedoch auf dem Tiergärtnertorplatz auf, da man hier noch den meisten "Flair" vom alten Nürnberg spürt.

Nicole: Bekommst du denn eigentlich Zutritt zu besonderen Orten in Nürnberg, weil du ein Stadtführer bist?

Julian: An sich bin ich ja kein hauptberuflicher Stadtführer, sondern eher eine Privatperson, die sich ein wenig mehr mit Nürnberg beschäftigt, als der normale Einheimische. Daher erhalte ich eigentlich auch keinen Zutritt zu besonderen Orten, außer ich frage die entsprechenden Betreiber oder Träger von Gebäuden, ob sie mir und meinen Gruppen Zutritt gewähren.

Nicole. In welches Gebäude würdest du total gerne einen weiteren Blick werfen?

Julian: Da gibt es einige, leider sind die intessantesten von ihnen im zweiten Weltkrieg zerstört worden. An noch vorhandenen Gebäuden würde mich ein weiterer Einblick in das Baumeisterhaus sowie in den Hinterhof eines Fachwerkhauses in der Mostgasse interessieren, in dem es ein interessantes Fresko über die Geschichte der Söhne des Burggrafen gibt, welche einer Legende nach in diesem Areal erschlagen worden sein sollen.

Nicole: Es gibt ja auch leider so einige Gebäude und Orte in Nürnberg, die es heute gar nicht mehr gibt, welches Gebäude und/oder Ort in Nürnberg würdest du total gerne sehen, obwohl es das nicht mehr gibt?

Julian: Das wären das Pellerhaus, das Viatishaus, das Toplerhaus, das Grolandhaus sowie der alte Rathauskomplex vor seiner Zerstörung.

Nicole: Wenn du Menschen nicht durch die Stadt führst und gerade auch nicht arbeiten musst, womit entspannst du dich, und was tut dir gut?

Julian: Im Sommer liebe ich es mich mit Freunden am Tiergärtnertorplatz zu treffen. Dort gibt es das Café Wanderer und das Bieramt, eine tolle kleine Kneipe mit einer umfangreichen Auswahl von fränkischen Bieren und man hat dort einen wunderschönen Blick auf Pilatus- und Dürerhaus. Zudem bin ich auch gerne mit meiner Freundin im O'Sheas bei Burger, Steak und Guiness oder in der Saigon Bar in der Lammsgasse. Sehr zu empfehlen ist auch die Sommerausstellung der Akademie der bildenden Künste mit dem anschließenden Sommerfest, welches ich immer wieder gerne besuche.

Nicole: Danke Julian, dass du dir für mich die Zeit genommen hast.














Fotos habe ich von Julian, und bei ihm liegen auch die Bildrechte.


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Habt ihr Lust bekommen, nach diesem Interview selbst einmal bei eine Führung dabei zu sein?
Dann schaut mal bei Facebook auf der Seite von Nürnberg Umsonst nach -> Link

Normalerweise findet ihr ja bei Interviews auch immer ein Gewinnspiel, dieses mal nicht,weil ihr euch selbst ja einmal davon überzeugen könnt, wie toll Julian seine Sache macht, und er für seine Führungen kein Geld verlangt, sondern lediglich Trinkgeld.

Ich würde mich freuen,wenn ihr mal bei einer Führung dabei seid, dass ihr mir evtl sagt, wie es euch gefallen hat.

Ganz liebe Grüße
Nicole Katharin

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Hi
Danke das du mir ein paar Gedanken da gelassen hast. Sie werden jedoch erst noch freigeschaltet.
Bei nächster Gelegenheit komme ich dich auch besuchen und werde dir auch einen Kommentar hinterlassen. Fragen beantworte ich dir dann dort auch sehr gerne 😃.
Einen ganz lieben Gruß
Nicole